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Dieses Jahr hatten acht Schülerinnen und Schüler sowie ein Lehrer die Gelegenheit, an einem außergewöhnlichen Projekt teilzunehmen. Vom 1. bis 13. November 2006 konnten sie auf der Insel Teneriffa auf dem Gelände des Mariposa-Kunstprojekts an wichtigen Zukunftsthemen arbeiten. Dabei ergänzten sich philosophische Überlegungen, Meinungsaustausch sowie die Begegnung mit Kunst und Natur gegenseitig und schufen eine einmalige Arbeitsatmosphäre.
Kunst reflektiert Natur. Die Schülergruppe betrachtet ein Kunstwerk von Hans-Jürgen Müller, den Abguss eines Kaktus. Frau Müller erklärt, dass jeder Kaktus eine von der Natur einmalig „komponierte“ Form besitzt, die sofort das Gleichgewicht verliert, sobald an einer Stelle ein Blatt fehlt. Im „Bemühen“, sein Gleichgewicht wiederherzustellen, wirft der Kaktus beim Verlust eines Blattes an entsprechend anderer Stelle ein zweites Blatt ab. Insofern kann ein Kaktus als ein umgekehrtes, also zum Himmel wachsendes Mobile betrachtet werden. Der Abguss einer Kaktusform in Bronze macht diesen Kunstcharakter der Natur sichtbar. Allein das Material entscheidet hier darüber, ob wir Natur oder Kultur vor uns haben.
Eines der Kunstwerke in Mariposa bezieht die Natur mit ein: Steinkreise mit bestimmten Blütenpflanzen dienen zur Wiederansiedlung einer Schmetterlingsart, die von Teneriffa bereits verschwunden war. Mariposa ist das spanische Wort für Schmetterling.
Die Schüler wohnten in mongolischen Jurten. Das gemeinsame Arbeiten, Lernen, Gestalten, Essen und Wohnen sorgte für eine einmalige Gruppenentwicklung. Über 13 Tage hinweg kontinuierlich an einem Thema zu arbeiten war eine sehr seltene Möglichkeit, die innerhalb der Gruppe für erstaunliche Entwicklungen und zum Teil für neue Entscheidungen für die Zukunft gesorgt hat. Das Mariposa-Projekt entwickelt sich ständig weiter. Deshalb ist handwerkliche Mitarbeit stets willkommen. Die Schüler halfen beim Renovieren eines Kunstobjekts. Auch die Neuanordnung von Legearbeiten aus farbigen Steinen wurde von Schülern übernommen. Dabei geht es um die möglichst klare Herausarbeitung einer geometrischen Form in Bezug zur natürlichen Umgebung. Da diese Tätigkeit die Konzentration fördert, wird sie von buddhistischen Zen-Meistern auch zu meditativen Zwecken verwendet.
In der philosophischen Beschäftigung ging es unter anderem um die Herausbildung von natürlichen Systemen im Prozess der Evolution, etwa bei der Entstehung von Steinen. Durch außergewöhnliche Naturobjekte wie z.B. eine Quarz-Druse konnten die verschiedenen Vorstellungen zur Metamorphose der Naturreiche auch im Bild erfasst werden.
Interessant an der inhaltlichen Arbeit war vor allem, dass alle Themen von den Schülerinnen und Schülern selbständig und selbstorganisierend erarbeitet wurden. Das bedeutete vor allem, dass nie eine Vorstellung von einem Inhalt die Richtung des Gespräches angab, sondern immer der lebendige Gedankengang der gesamten Gruppe. Auf diese Weise wurden aus Inhalten Anregungen.
Die inhaltliche Arbeit umfasste jeden Tag mehrere Stunden, teils in seminaristischer, teils in freier oder kreativer Form. Dabei ergänzten sich die verschiedenen Themenbereiche gegenseitig:
Über die ganze Zeit ergab sich so für jede Schülerin und jeden Schüler eine ganz eigene Beschäftigung mit Personen, Kunstwerken, Natur und philosophischen Themen. Die Gesamtheit dieser Beschäftigung machte das Erlebnis Mariposa aus.
Auch nach der Heimkehr arbeitete die Mariposa-Gruppe in unterschiedlichen Kontexten weiter. So trafen sich die Schülerinnen und Schüler informell zur Weiterbearbeitung besprochener Themenbereiche, außerdem besuchten wir gemeinsam die ArtKarlsruhe und den dortigen Mariposa-Pavillion. Das sicherlich markanteste Ereignis war die Präsentation des Mariposa-Filmes „Geschenk der Schönheit“ von Georg Lutz, der gemeinsam mit Präsentationen der philosophischen Inhalte im Dezember 2006 in der Nanz-Stiftung und im Februar 2007 im Geschwister-Scholl-Gymnasium Stuttgart gezeigt wurde. Der Film „Geschenk der Schönheit“ von Georg Lutz fängt in einmaligen Bildern und Interviewbeiträgen die besondere Stimmung und die wesentlichen Inhalte des 1. Nanz-Jugend-Mariposions in rund 35 Minuten ein.
Sven Lippert, Mai 2007